obstdoc — Kruitwiehnbirne

Kruitwiehnbirne

Birne · Pyrus communis

Die Kruitwiehnbirne aus Selfkant-Saeffelen im Kreis Heinsberg ist seit 2008 bekannt. Erntezeit und Genussreife fallen beide in die Zeit von Mitte bis Ende August; gelagert wird die kleine, fast runde, gelblich-rot gefärbte Frucht also nicht. Ihre mittelfrüh erscheinende, auffallend rosa Blüte macht die diploide Sorte zu einem guten Befruchter. Als Krautbirne für Birnenkraut geschätzt, ist sie süßlich, säurearm und schwach aromatisch: für Mus und Kompott geeignet, für Most zu flach.

Herkunft
Kreis Heinsberg, Selfkant-Saeffelen
Seit
2008
Wüchsigkeit
stark
Wuchsform
hochkugelig
Gefährdung
vom Aussterben bedroht
Ernte
Mitte August – Ende August (08C-08E)
Blüte
mittelfrüh
Genussreife
Mitte August – Ende August (08C-08E)
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte Genussreife

Wirtschaftsobst Mostobst Krautobst Brennobst

Synonyme: Kruit wiehens-Peer (Plattdeutsch), Krutwiehens-Peer, Krüterbirne

Web-Suche: Wikipedia · Ecosia · DuckDuckGo · Mojeek

Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Die Kruitwiehnbirne ist eine stark wachsende Krautbirne des Kreises Heinsberg: Die Bäume bilden große, landschaftsprägende Kronen, die ohne deutlichen Mittelstamm aus kräftigen, steil ansetzenden Seitenästen aufgebaut sind. Sortentypisch zeigen die Stämme häufig Drehwuchs gegen den Uhrzeigersinn — eine Eigenheit, die sie mit anderen Krautbirnen wie den im Raum Bonn verbreiteten Sorten Ölligs- und Hufenbirne teilen; das gedrehte Stammholz gilt auch für Drechsler als interessant. Die Bäume sind robust gegenüber Birnenschorf und Rindenbrand und hinsichtlich der Boden- und Standortverhältnisse breit anbaufähig. Sie tragen große Mengen der kleinen Früchte. Die Blüte erscheint im Vergleich zu anderen Birnensorten mittelfrüh und zeigt sich zu Beginn auffallend rosa; als diploide Birnensorte ist die Kruitwiehnbirne ein guter Befruchter für andere Birnensorten. Die Sorte gehört in die Streuobstwiese — ihre großen Altbäume prägen die Kulturlandschaft, weshalb ihr Erhalt auch aus naturschutzfachlicher Sicht als wünschenswert gilt.

Die Kruitwiehnbirne ist eine reine Wirtschaftsbirne: Ihre Früchte wurden einst fast ausschließlich zur Herstellung von Birnenkraut verwendet; ob sie auch für die häusliche Saftbereitung oder für Obstbrand taugen, ist laut Steckbrief noch zu prüfen. Geerntet wird Mitte bis Ende August, wobei die Bäume geschüttelt und die Früchte aufgelesen werden. Die baumreifen, harten Früchte bleiben auch nach der Ernte fest, sind aber nur sehr kurz haltbar und sollten möglichst innerhalb einer Woche verarbeitet werden, da sie sonst mehlig werden. Im Geschmack ist das fest bleibende, grünlichweiße Fruchtfleisch mittelsaftig, süßlich mit geringer Säure und nur schwach aromatisch; die dünne, mürbe Schale stört beim Verzehr nicht. Als reine Wirtschaftsbirne hängt ihr Erhalt laut Steckbrief davon ab, ob es neben einer Renaissance der regionaltypischen Birnenkrautherstellung weitere kreative Verwertungsideen für die Früchte und deren Vermarktung gibt.

Die Frucht ist sehr klein, eiförmig oder breit tonnenförmig, kelchseitig teils auffallend breit abgeplattet und zum Stiel hin flach-schräg verjüngt, im Querschnitt unregelmäßig rund bis leicht fünfeckig. Die Grundfarbe ist baumreif kräftig grün und reif hellgelb; die sonnenseitige Deckfarbe ist dunkelrot bis bräunlich bzw. rosa-bräunlich rot gehaucht oder verwaschen streifig und hellert auf dem Lager zu leuchtendem Zinnober- oder Orangerot auf. Berostungen fehlen fast immer; der Kelch ist mittelgroß bis groß und offen, der 20 bis 30 mm lange Stiel sitzt meist ohne Stielgrube auf, das Kernhaus liegt mittig bis stielnah mit gut entwickelten, dunkelbraunen Kernen. Als Verwechsler nennt der Steckbrief die Schöpgesbirne (Raum Bonn), die Kräuterbirne (Raum Aachen), die Schweizer Wasserbirne und die Weißbirne (Süddeutschland). Die genaue Herkunft und Entstehungszeit der Sorte sind unbekannt, möglicherweise stammt sie aus den Niederlanden; benannt ist sie nach ihrer Reife zur „Kräuterweihe“ am 15. August (Hochfest Mariä Himmelfahrt), einem im Kreis Heinsberg — besonders in Vinteln bei Gangelt — gepflegten katholischen Brauch; plattdeutsch heißt sie „Kruitwiehens-Peer“. Verbreitet war sie am westlichsten Rand des Kreises Heinsberg in Selfkant-Saeffelen nahe der niederländischen Grenze und ist mit dem Verschwinden der örtlichen Krautfabriken und des häuslichen Krauteinkochens weitgehend aus den Streuobstbeständen verschwunden; einzelne alte Bäume stehen noch in der Gemeinde Selfkant-Saeffelen und den angrenzenden Gemeinden, der NABU-Kreisverband Heinsberg nennt noch 3 bekannte Bäume. Grundlage dieser Beschreibung ist der Steckbrief von Hans-Joachim Bannier im Handbuch „Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland — neu entdeckt!“ (2., erweiterte Auflage, Köln 2017) sowie ein Absatz des NABU-Kreisverbands Heinsberg.

Quellen: H.-J. Bannier u. a.: Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland – neu entdeckt! 2. Aufl., Köln 2017

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (z-ai/glm-5.3-flash + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-10-05). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

#Suchliste

In der Literatur

Eine der frühesten Sorten war die Krutwiehens-Peer, so genannt wegen der Reife zur Zeit der Kräuterweihe am 15. August. Diese Bire war weniger wertvoll, zwar Frühreif, aber sofort mehlig werdend (Jansen 1977) und deshalb an erster Stelle keine Tafelbirne, sondern eine Wirtschaftsbirne [Lokale Obstsorten im Rheinland, 2. Auflage, S. 23]

Weblinks

Dokumentierte Bäume (treedoc) 0

Noch kein dokumentierter Baum dieser Sorte.