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Geisepitter

Süßkirsche · Prunus avium

Der Geisepitter ist eine Frühsorte unter den Süßkirschen mit gelbroten, weichfleischigen Früchten. Der Baum gilt als robust und starkwüchsig, und der Ertrag setzt früh ein. Das weiche Fleisch bedeutet allerdings, dass die Früchte empfindlich sind und sich für Transport und Aufbewahrung kaum eignen; sie werden am besten unmittelbar nach der Ernte verwertet. Der starke Wuchs verlangt entsprechend Platz und regelmäßigen Schnitt.

Herkunft
Mittelrhein (Kamp-Bornhofen), Deutschland
Wüchsigkeit
mittel
Wuchsform
pyramidal
Ernte
Anfang Juni – Mitte Juni (06A-06C)
Genussreife
Mitte Juni – Ende Juni (06C-06E)
Wikidata
Q15811528
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte Genussreife

Tafelobst Wirtschaftsobst

Synonyme: Bornhofener, Camper Rote, Dicke Rote, Gaisepitter

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Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Der Baum wächst zunächst mittelstark, später schwach, mit schräg bis steil aufrecht winkelnden Seitenästen und außen leicht abhängendem Fruchtholz; er bildet eine nur mittelgroße, pyramidale, relativ dicht verzweigte, teils etwas schirmartige Krone. Der mittelstarke bis schwache Wusch kommt dem heutigen Wunsch nach kleineren Baumkronen entgegen und macht die Sorte für Haus- und Kleingärten geeignet. Nach dem LVR-Sortenflyer ist die Baumgesundheit im Mittelrheingebiet gut; wie andere frühreifende rotbunte Sorten wird die Geisepitter kaum von der Kirschfruchtfliege befallen, sodass meist madenfreier Genuss möglich ist. Die Blüte erscheint früh und hält lang an. Der Ertrag wird als reich, früh und regelmäßig beschrieben. Empfohlen wird die Sorte vor allem für wärmere Lagen entlang des Rheins; nach dem DLR Rheinland-Pfalz sind die an Klima und Standort des Mittelrheintals angepassten Regionalsorten dort teils seit über 100 Jahren ohne Pflanzenschutzmittel oder künstliche Düngung gewachsen und daher für den Hobbygarten wie für extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen geeignet.

Die Geisepitter gehört zu den frühesten Kirschsorten Deutschlands: Sie reift bereits in der 1. bis 2. Kirschwoche, erreicht ihre volle Reife aber erst in der 2. bis 3. Kirschwoche etwa Mitte Juni, und sollte nach der Ernte alsbald verbraucht werden; am Baum hält sie sich dagegen länger. Das weißgelbliche Fruchtfleisch ist saftig, deutlich säuerlich, etwas wässrig und hat nur geringes Aroma — eine Sorte für Liebhaber säurebetonter Kirschen und Selbstversorger. Frucht und Fruchtschale sind sehr weich und damit gering transportfähig, weshalb die Sorte fast vollständig aus dem Handel verschwunden ist; die Platzfestigkeit gilt als mittelhoch bis hoch. Ihrer Säure wegen war sie traditionell eine wichtige Einkoch- und Konserven­kirsche (auch für Kompott) und wurde einst in großen Mengen für die Konservenindustrie verwertet; daneben ist sie auch zum Frischverzehr geeignet und wurde für weitere Verarbeitungszwecke wie das Brennen genannt.

Pomologisch handelt es sich um eine rotbunte Herzkirsche mit mittelgroßer Frucht (etwa 22 : 22 : 20 bis 23 : 23,5 : 22 mm) von variabler, meist unregelmäßig beuliger, schmaler oder breiter abgerundet herzförmiger Gestalt. Zur Reifebeginn ist sie gelb und sonnenseitig gerötet, vollreif gänzlich leuchtend rot, mit hell gestrichelten, später zurücktretenden Lentizellen. Der Stiel ist mittellang (4–5 cm) und grün; der mittelgroße Stein umgekehrt eiförmig, asymmetrisch und mit deutlichem Stielsitz-„Häkchen“. Verwechselt werden kann die Sorte mit Maibigarreau und Kronprinz von Hannover. Nach überlieferter Lesart entstand sie Ende des 19. Jahrhunderts am Mittelrhein als Zufallssämling und ist nach dem Kamp-Bornhofer Obstbauern Peter Geiß benannt, der sie zuerst angebaut haben soll (das Portal Mittelrhein-Kirschen nennt als Finder alternativ einen Peter Salzig aus Kamp). Um 1900 war sie am Mittelrhein bereits weit verbreitet, teils unter den Namen Camper Rote, Bornhofener oder Dicke Rote; die Deutsche Genbank Obst führt zudem Bickes, Bigges, Frühkirsche aus Boppard und Geisepeter an. 1914 zählte sie zu den fünf häufigsten Lokalsorten des Gebiets, 1928 war sie auf den Koblenzer Kirschenschauen die am meisten eingelieferte Süßkirsche; beschrieben wurde sie im Werk „Deutschlands Obstsorten“ (1905–34). Bis in die 1960er Jahre war sie Hauptsorte des mittelrheinischen Anbaugebiets und 1965 für das Gebiet Rheinland-Nassau offiziell empfohlen, erlangte außerhalb ihres Ursprungsgebiets aber nie größere Bedeutung; heute wird sie nur noch vereinzelt von Baumschulen angeboten, nach Passdaten der DGO finden sich Vorkommen in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit Schwerpunkt Mittelrheintal. Die Sorte ist Bestandteil der Deutschen Genbank Obst; Slow Food nahm die traditionellen Kirschsorten des Oberen Mittelrheintals, darunter die Geisepitter als eine der ältesten Sorten des Tals, 2021 in die Arche des Geschmacks auf. Die Beschreibung beruht im Wesentlichen auf dem Sortensteckbrief von Hans-Joachim Bannier (Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt, nach dem LVR-Handbuch „Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland“, 2010) und dem LVR-Sortenflyer der Biologischen Stationen im Rheinland.

Quellen: Geisepitter – Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt (Steckbrief H.-J. Bannier) · Regionale Obstsorten im Rheinland – Sortenflyer Geisepitter (LVR) · Deutsche Genbank Obst – Sortenpassport Geisepitter · Geisepitter – Wikipedia · Mittelrhein-Kirschen – Sorten-Finder: Geisepitter (Welterbe Mittelrheintal) · Slow Food Arche des Geschmacks – Traditionelle Kirschsorten aus dem Oberen Mittelrheintal (2021)

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (stealth/ox-alpha + stealth/ox-alpha, 2026-08-23). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

In der Literatur

Gelbrote weichfleischige Frühsorte, Baum robust und starkwüchsig, bekannt auch als Kamper Rote oder Bornhofener. 2./3. KW

Weblinks

Dokumentierte Bäume (treedoc) 1

BaumBongertPositionPflanzjahr
pk24gSortenerhaltungskultur Bergheimer DreieckA10