obstdoc — Roter Münsterländer

Roter Münsterländer

Apfel · Malus domestica

Herkunft
Oldenburger Münsterland, Deutschland
Seit
1951
Wüchsigkeit
mittel
Wuchsform
hochkronig
Gefährdung
in Baumschulen erhältlich
Ernte
Mitte Oktober (10C)
Blüte
mittelspät
Genussreife
Anfang Dezember – Ende März (12A-03E)
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte Genussreife

Tafelobst Wirtschaftsobst Mostobst

Synonyme: Pariner Apfel, Priner Appel, Roter Münsterländer Borsdorfer, Roter Pariner (Raum Lübeck)

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Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Der Rote Münsterländer bildet mittelgroße, kugelige und relativ dichte Kronen mit gesunder Belaubung. Junge Bäume wachsen stark, später mittelstark, mit schräg aufrechten Leitästen, die auf Rückschnitt mit guter Verzweigung reagieren, sodass sich der Baum relativ leicht zu einer pyramidalen Krone erziehen lässt. Er gilt als robust gegenüber Obstbaumkrebs und Mehltau und relativ tolerant auch gegenüber Apfelschorf; an eingeschlossenen, schlecht durchlüfteten Standorten oder Waldrandlagen kann zwar etwas Schorf auftreten, ohne dass dies die Vitalität des Baumes beeinträchtigt. An den Boden stellt die Sorte wenig Ansprüche und ist breit anbaufähig, am besten gedeiht sie auf tiefgründigen Lehmböden (die Deutsche Genbank Obst nennt mittlere, tiefgründige Lehmböden, aber auch leichtere Böden). Sie kommt relativ früh in den Ertrag und trägt dann reich und regelmäßig; sowohl das Sortenporträt von Hans-Joachim Bannier als auch das Wikipedia-Porträt des als identisch behandelten „Roten Pariner“ (dort: Massenträger) und Baumschulangaben berichten von fehlender bzw. geringer Alternanz. Austrieb und Blüte sind mittelfrüh bis mittelspät, die Blüte weiß und kurz; nach dem Pariner-Porträt blüht die Sorte gleichzeitig mit Cox Orange und Elstar. Genetische Untersuchungen weisen sie als triploid aus, weshalb sie als Befruchter für andere Sorten kaum in Betracht kommt; geeignete Befruchtersorten sind nicht bekannt. Als reich tragende Wirtschafts- und Tafelapfelsorte mit guter Baumgesundheit ist sie für den extensiven Streuobstanbau empfohlen. Die Beschreibung des Baumes beruht vor allem auf dem Sortenporträt von Hans-Joachim Bannier (Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt) und dem Passport der Deutschen Genbank Obst.

Die Früchte sind etwa Mitte Oktober pflückreif, ab Dezember genussreif (Deutsche Genbank Obst und Baumschulangaben: Januar bis März) und lassen sich bis Februar, bei guten Lagerbedingungen bis März lagern; die Lagerfähigkeit wird als sehr gut und lang beschrieben. Das fest-markige Fruchtfleisch schmeckt kräftig süßsäuerlich bei mäßiger Saftigkeit (vergleichbar Boskoop); die Genbank charakterisiert es als saftig, säuerlich und etwas aromatisch, Baumschulangaben heben ein zartes Renettenaroma hervor. Die Sorte dient zugleich als Tafel- und Wirtschaftsapfel; die Deutsche Genbank Obst zählt sie zu den besten Mostsorten für den extensiven Anbau, und nach Pomiferous wurde sie ursprünglich vorrangig zur Mostbereitung genutzt. Daneben taugt sie zum Entsaften und zur Verarbeitung zu Mus und Kompott; nach dem Pariner-Porträt eignet sie sich zudem als Kuchen- und Bratapfel, kleinere Früchte galten als Weihnachtsapfel zur Dekoration.

Die Frucht ist mittelgroß, kugelig bis hochkugelig, stiel- und kelchseitig abgeflacht, im Querschnitt wie gedrechselt rund, sehr fest und nicht druckempfindlich, auch gelagert noch fest. Die baumfrisch grasgrüne Grundfarbe hellt zu trübem Oliv- bis Strohgelb auf; die dunkel- bis blutrote, flächige Deckfarbe bedeckt rund zwei Drittel, teils die ganze Frucht. Auffallend sind die großen, sternchenartig berosteten Schalenpunkte, öfter tritt auch netzartige bis fleckige Berostung auf. Der Stiel ist kurz, teils dick und knopfartig, der Kelch groß und weit offen. Das (schwach grünlich-) gelblichweiße Fleisch ist fest, markig, mittelfeinzellig bis grobzellig und verbräunt beim Anschnitt mäßig. Die Sorte stammt aus dem Oldenburger Münsterland; ihr genauer Ursprung ist unbekannt, in der alten Sortenliteratur des 19. Jahrhunderts fehlt sie. Das Handbuch „Deutsche Äpfel – die Handelssorten“ (Loewel/Labus 1941, Band II Norddeutschland) führt sie als Gebietssorte Oldenburgs, die dort zunehmend angebaut werde; die Deutsche Genbank Obst nennt als Ersterwährung 1951. Molekulargenetisch ist sie nach Bannier eine Tochtersorte des Gelben Münsterländer Borsdorfer und trotz ihres Namens weder mit dem Edelborsdorfer noch mit dessen Sortengruppe verwandt, während das DGO-Passport die Abstammung mit ‚Calville Rouge d‘Hiver‘ × unbekannt angibt. Verbreitet war sie zwischen Oldenburg, Cloppenburg und Osnabrück, südwärts bis zum Wiehengebirge und nach Westfalen; im Raum Lübeck verbreitete der Baumschuler Welchert aus Groß Parin dieselbe Sorte in den 1930er Jahren unter dem Namen „Roter Pariner“, wo sie teils als eigene Lokalsorte geführt wird. Sie gilt als gefährdete Regionalsorte; sortenechte, virusfreie Reiser stehen u. a. im Reisermuttergarten der Landwirtschaftskammer Hannover sowie im Reisermuttergarten Bonn der ORG GmbH bereit.

Quellen: Roter Münsterländer Borsdorfer · Roter Münsterländer Borsdorfer – Passport-PDF der Deutschen Genbank Obst · Roter Pariner – Wikipedia · Roter Münsterländer Borsdorfer – Pomiferous · Roter Münsterländer Borsdorfer – Winterapfel › HEROS Baumschulen GmbH · Apfel Roter Münsterländer Borsdorfer – pflanzmich.de · Apfel ‚Roter Münsterländer Borsdorfer‘ – Natura DB

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (anthropic/claude-opus-5 + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-09-01). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

Ist das identisch mit Roter Münsterländer Borsdorfer? Siehe auch Gelber Münsterländer.

Weblinks

Dokumentierte Bäume (treedoc) 1

BaumBongertPositionPflanzjahr
604Streuobstplantage RommelshardF032025