Birne · Pyrus communis
Tafelobst Wirtschaftsobst Dörrobst
Synonyme: Joséphine de Malines, Königliche Winterbirne, Winterkönigin
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Josephine von Mecheln ist eine Winterbirne mit schwachem bis höchstens mittelstarkem Wuchs; die Krone wird breitrund und gut verzweigt, mit zunächst schräg aufrechten, später waagerecht bis hängenden Gerüstästen und langen, sich überschwerenden Fruchtruten. Der Baum braucht einen konsequenten Schnitt und regelmäßiges Ausdünnen, verträgt aber keinen strengen Formschnitt, weil die Endknospen der langen Fruchtruten die Blütenknospen tragen und nicht entfernt werden dürfen. Nach den auf Bivort zurückgehenden Angaben im Illustrirten Handbuch der Obstkunde ist die Sorte nicht recht für den Hochstamm geeignet, passt aber zu Pyramiden und Spalieren; der Bergische Streuobstwiesenverein empfiehlt die Kultur auf schwach wachsender Unterlage bzw. am Wandspalier, um das gegen Vogelfraß nötige Einnetzen zu erleichtern, während das Erhalternetzwerk obstsortenerhalt.de sie wegen der Blütenbildung an den Rutenenden gerade für die Spaliererziehung ungeeignet hält. Der Ertrag setzt spät bis mittelspät ein, ist dann hoch, kehrt aber meist nur alle zwei Jahre in vollem Umfang wieder – hohe und geringere Ernten wechseln sich ab. Die Blüte erscheint nach den meisten Quellen mittelfrüh (vom Bergischen Streuobstwiesenverein als mittelspät eingestuft), ist lang andauernd und wenig frostempfindlich; der Baum ist ein guter Pollenbildner, als Ploidie wird Diploidie angegeben. Die Sorte verlangt einen warmen, nahrhaften, tiefgründigen und genügend feuchten Boden in warmer, geschützter Lage; ihre Wärmeansprüche gelten als höher, der Anbau wird bis in Mittelgebirgslagen um 350 m empfohlen. Anfällig ist sie vor allem für Blattschorf und örtlich für Fruchtschorf – das Laub stärker als die Früchte –, nach FRUCTUS auch mittelgradig für Feuerbrand. Bei guter Pflege taugt sie für Streuobst, ihrem schwachen Wuchs entsprechend aber vor allem für Haus- und Siedlergarten und Selbstversorger.
Die Früchte sind sehr saftig, vollschmelzend und butterhaft, süß mit kaum wahrnehmbarer Säure, feinaromatisch zuckermelonenartig, dabei leicht herb und fein gewürzt; die historische Literatur zählt sie zu den feinsten Winterbirnen. Sie dienen in erster Linie der Tafelverwendung; FRUCTUS nennt zudem das Dörren, das Projekt 1000 Obstbäume die Kompottherstellung. Geerntet wird möglichst spät, etwa Ende Oktober bis Anfang November, da früher geerntete Früchte im Lager schnell welken; bis dahin hängen die Birnen fest am Baum und sollen zum Schutz gegen Vogelfraß eingenetzt werden. Genussreif werden sie ab Januar, in warmen Lagen und Jahren schon ab Dezember, und halten dann bis März; im Naturlager sind sie 2–3 Monate haltbar, im Kühllager bzw. CA-Lager bis April.
Die Frucht ist klein bis mittelgroß, kreiselförmig, 6–7 cm lang und 5–6 cm breit, am Kelch breit abgeplattet und nach dem Stiel stumpf zugespitzt. Sortenmerkmal ist die Rosthaube um den kräftigen, rund 2½ cm langen Stiel, der in einer schwachen Grube steht und von einem Fleischwulst schief zur Seite gedrückt wird; der Kelch ist offen mit am Grund verwachsenen, sternförmig aufliegenden Blättern, die Kelchgrube flach bis mitteltief und meist etwas berostet. Die gelblichgrüne bis lichtgelbe Schale zeigt feine Rostpunkte sowie einzelne Rostfiguren und -platten, eine Deckfarbe fehlt meist (gelegentlich schwach orange gehaucht). Das gelblichweiße, ums Kernhaus lachsfarbige Fleisch ist sehr fein, schmelzend, sehr saftig, süßweinig und fein gewürzt; das hohlachsige Kernhaus enthält vollkommene, schwarzbraune Kerne – eine Butterbirne. Die Sorte wurde 1829/1830 vom belgischen Major Pierre-Joseph Esperen in Mecheln aus Samen gezogen – die Eltern sind unbekannt – und zu Ehren seiner Frau benannt; Bivort beschrieb sie zuerst als ‚Joséphine de Malines‘. In Deutschland wurde sie erstmals 1856 von Dochnahl erwähnt, die erste deutsche Beschreibung erschien 1866 im Illustrirten Handbuch der Obstkunde; um 1900 wurde ihr Wert für den Erwerbsobstbau kontrovers diskutiert. Einst in Mitteleuropa weit verbreitet, gilt sie heute als gefährdet und kommt nur noch vereinzelt in Landschaft, Hausgärten und Sammlungen vor. Die Beschreibung beruht auf den Porträts des Bergischen Streuobstwiesenvereins (Jan Bade) und des Erhalternetzwerks obstsortenerhalt.de (Jens Meyer), dem FRUCTUS-Steckbrief sowie den historischen Beschreibungen der BUND-Lemgo-Obstsortendatenbank (‚Nach der Arbeit‘ 1935–1956; Illustrirtes Handbuch der Obstkunde).
Quellen: Josephine von Mecheln – Bergischer Streuobstwiesenverein e.V. · Josefine von Mecheln – Sortentafel ‚Nach der Arbeit‘ (BUND-Lemgo, PDF) · Illustrirtes Handbuch der Obstkunde Nr. 328 – Josephine von Mecheln (BUND-Lemgo, PDF) · Josephine von Mecheln – FRUCTUS · Josephine von Mecheln – Wikipedia · Josephine von Mecheln – 1000 Obstbäume für die Frankenalb · Arche Noah – Sortenblatt Josefine von Mecheln (PDF) · WUR Fruitteelt/Speccol – Birnensorte Pe031 · Josephine von Mecheln / Winterkönigin kaufen – suedflora · Birne ‚Josephine von Mecheln‘ – Baumschule Junker · Birnensorte Josephine von Mecheln – NABU Templin · Obstsorten NSG Buchleite – Josephine von Mecheln
Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (anthropic/claude-opus-5 + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-08-24). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.
Noch kein dokumentierter Baum dieser Sorte.
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