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Westfälische Tiefblüte

Apfel · Malus domestica

Die Westfälische Tiefblüte ist ein säurebetonter Apfel mit festem, saftigem Fruchtfleisch von erfrischend weinsäuerlichem Geschmack, der sich für kräftigen Most und zum Backen eignet. Sie gilt als robust und witterungsunempfindlich, vor allem wegen ihrer späten, langanhaltenden Blüte. Auf schweren, nassen Böden ist sie jedoch krebsanfällig, und sie trägt oft alternierend – nur jedes zweite Jahr, dann aber reichlich.

Herkunft
Westfalen
Seit
1800
Wüchsigkeit
mittel
Gefährdung
in Baumschulen erhältlich
Ernte
Mitte Oktober – Ende Oktober (10C-10E)
Blüte
spät
Genussreife
Mitte Oktober – Ende April (10C-04E)
Wikidata
Q135447641
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte Genussreife

Tafelobst Wirtschaftsobst

Synonyme: Tiefblüthe, Westfälische Tiefenblüte

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Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Die Westfälische Tiefblüte ist eine typische Streuobstsorte, die große, meist breit ausladende und mitteldicht verzweigte Kronen bildet; die Stadt Gütersloh beschreibt den Wuchs zugleich als mittelstark mit kugeliger Krone. Junge Bäume starten sowohl in der Baumschule als auch am Standort zunächst langsam und zögernd, mit eher flach winkelnden Leitästen, weshalb eine Zwischenveredlung mit einem Stammbildner empfohlen wird; die Bäume können ein hohes Alter erreichen. Nach Hans-Joachim Bannier ist die Sorte robust gegenüber den wichtigsten Obstkrankheiten Schorf, Krebs und Mehltau, breit anbaufähig auf nahezu allen Böden und auch in höheren Lagen, wobei an schlecht durchlüfteten Standorten etwas Schorfbefall auftreten kann. Die Stadt Gütersloh bestätigt die insgesamt hohe Robustheit und Widerstandsfähigkeit, nennt aber die Einschränkung, dass der Baum auf schweren und nassen Böden krebsanfällig ist; bevorzugt wird ein humoser Boden, er gedeiht jedoch auch auf schweren lehmigen Böden. Die Tragbarkeit setzt erst im vorgerückten Alter ein und kehrt dann regelmäßig alle zwei Jahre mit reichen Ernten zurück – so das in „Deutschlands Obstsorten" formulierte Urteil, dem die Beobachtung der Stadt Gütersloh entspricht (nur jedes zweite Jahr Frucht, dann aber reichliche Erträge). Zur Blütezeit gehen die Quellen auseinander: Gütersloh nennt eine späte, recht lange andauernde und dadurch gegenüber Witterungseinflüssen unempfindliche Blüte, während Bannier Austrieb und Blüte als mittelfrüh bezeichnet. Als triploide Sorte kommt die Westfälische Tiefblüte nicht als Befruchter für andere Sorten infrage; als Befruchter für sie werden Grüner Stettiner, Schöner aus Nordhausen, Ravensberger und Luxemburger Renette genannt. Wegen ihres breit ausladenden Wuchses eignet sie sich nicht für Straßen und Wege, wohl aber für den extensiven Streuobstanbau.

Die Früchte sind sehr fest, wenig druckempfindlich und von erfrischend weinsäureartigem Geschmack mit dominierender Säure; Bannier beschreibt das Fruchtfleisch als süßsäuerlich und schwach aromatisch. Wegen dieser betonten Säure handelt es sich überwiegend um Wirtschaftsobst, das früher vor allem in der Küche verwendet wurde, teilweise aber auch als Tafelapfel diente. Geerntet wird Mitte bis Ende Oktober; die Früchte lassen sich weitgehend ohne Lagerverluste bis ins Frühjahr (März, April) lagern, was als besondere Stärke der Sorte hervorgehoben wird. Sie eignet sich zur Herstellung von Saft, Apfelmus und Wein sowie als Kuchenbelag.

Pomologisch ist die Frucht mittelgroß bis groß, meist breitrund oder breit kegelförmig, im Querschnitt meist unregelmäßig rund. Die grasgrüne bis weißlichgrüne Grundfarbe hellt erst im Lager auf und wird weißlichgelb bis gelb; die Deckfarbe zeigt sich sonnenseitig als eigentümlich fahl rosa-purpurrötlicher Hauch bis lebhaft weinrot bis bräunlich rot, meist auf einem Zehntel bis einem Drittel der Frucht, manchmal auch ganz fehlend. Der kurze, mitteldicke bis dicke, knopfartige Stiel ragt kaum aus der engen, fein berosteten Stielgrube heraus; der Kelch ist groß und offen bis halboffen. Das gelblichweiße, mittelfeinzellige bis etwas grobzellige Fleisch ist mäßig saftig und bräunt nach dem Anschnitt deutlich. Über die genaue Herkunft liegen keine zuverlässigen Angaben vor; die Sorte dürfte zu den ganz alten, um 1800 bereits angebauten gehören und war im 19. Jahrhundert in ganz Westfalen verbreitet, wenn auch nicht zu den häufigen. 1913 bzw. 1915 wurde sie im Sortenwerk „Deutschlands Obstsorten" ausführlich beschrieben, wo sie als „alte, in Westfalen und Lippe weit verbreitete Sorte" und als „eiserner Baumbestand" der Bauerngehöfte, der vom Vater auf den Sohn vererbt wurde, charakterisiert ist; in den Empfehlungslisten tauchte sie kaum auf, allein im Kreis Brilon (um 1909) als „Tiefblüte". Heute ist die Sorte stark gefährdet und in Westfalen nur noch selten auf sehr alten Bäumen zu finden. Von der namensähnlichen, stärker rot und streifig gefärbten Lippoldsberger (Nordhessischen) Tiefenblüte ist sie deutlich zu unterscheiden. Sortenechte, virusfreie Reiser sind über den Reisermuttergarten Bonn der ORG GmbH erhältlich. Die Beschreibung beruht vor allem auf dem Sortenporträt von Hans-Joachim Bannier im Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt (Pomologen-Verein) sowie auf dem Sortensteckbrief der Stadt Gütersloh.

Quellen: Westfälische Tiefblüte – Stadt Gütersloh (Gütersloher Artenkorb) · Westfälische Tiefblüte · Erstaunliche Obstsortenvielfalt in Westfalen (GEOkurrent 2021/2, Geographische Kommission LWL) · Engelbrecht: Deutschlands Apfelsorten (1889), Nr. 212 Tiefblüthe (Scan) · BUND Lemgo: Der Doodapfel (Lippisches Tiefenblümchen), PM

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (stealth/ox-alpha + stealth/ox-alpha, 2026-08-23). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

Alternanz.

#Zukunftssorte

Weblinks

Dokumentierte Bäume (treedoc) 2

BaumBongertPositionPflanzjahr
516Streuobstplantage SpechtsbergF072026
5772026

Bilder aus Wikipedia

File:Westfälische Tiefblüte 25.jpg
Cartoffel · CC0 · Commons

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