obstdoc — Winterköttelbirne

Winterköttelbirne

Birne · Pyrus communis

Die Winterköttelbirne ist eine alte Wirtschaftsbirne aus Westfalen. Ihre sehr kleinen Früchte eignen sich vor allem zum Kochen und entfalten erst als Mus oder Kompott ihren eigentlichen Wert; roh sind sie von geringer Bedeutung. Als lange lagerfähige Birne hält sie bis tief in den Winter hinein. Die starkwüchsigen Bäume bilden sehr große, breit ausladende Kronen und gelten als gut für den Streuobstbau geeignet, wo die Sorte erhalten werden sollte.

Herkunft
Westfalen (Westfälische Bucht)
Wüchsigkeit
sehr stark
Gefährdung
stark gefährdet
Ernte
Anfang Oktober – Ende November (10A-11E)
Genussreife
Anfang Oktober – Ende Dezember (10A-12E)
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte Genussreife

Wirtschaftsobst Mostobst Kochobst

Synonyme: Küottelbiär

Web-Suche: Wikipedia · Ecosia · DuckDuckGo · Mojeek

Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Die Winterköttelbirne wächst sehr stark und bildet sehr große Kronen; die Seitenäste stehen zunächst steil aufrecht und kippen unter der Fruchtlast nach außen ab. Die Sorte ist resistent gegen Schorf und nach dem Sortenporträt des Erhalternetzwerks auch gegenüber anderen Birnenkrankheiten (wie z. B. Rindenbrand) wenig anfällig; das Laub ist sehr gesund, hell- bis mittelgrün, glänzend, mit ovalen, stumpf gespitzten Blättern. Als typische Wirtschaftsbirne gilt sie als breit anbaubar und standorttolerant, ihre großen, landschaftsprägenden Bäume sind weit robuster als die der meisten Tafelbirnen. Sie ist für den Streuobstbau geeignet und soll dort unbedingt erhalten werden; das Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt führt sie als stark gefährdete Regionalsorte. Heute sind Bäume vor allem noch im Raum Hamm/Westfalen anzutreffen, im Münsterland kommen nur noch vereinzelt sehr alte Exemplare vor.

Im Geschmack ist die Winterköttelbirne eine reine Wirtschafts- und Kochbirne: Die im Oktober geernteten (nach NABU-Münster: Oktober/November) kleinen Früchte bleiben roh auch nach längerer Lagerung hart und ungenießbar. Auf dem Lager halten sie dafür vergleichsweise problemlos bis in die Wintermonate, teilweise sogar bis Anfang Frühjahr. Gekocht sind sie hingegen ein Genuss; beliebt war vor allem die Verwendung der gekochten ganzen Frucht zu Grünkohl oder Wirsing – eine westfälische Küchentradition, die heute u. a. vom Verein „Landl(i)eben“ in Hamm und vom NABU Münster gepflegt wird und inzwischen auch in der Gastronomie angekommen ist. Das Erhalternetzwerk regt an, die Eignung der Frucht für Obstbrand zu prüfen.

Pomologisch ist die Frucht klein, meist kreisel- oder kegelförmig, seltener birnenförmig, kelchseitig gerundet und um den großen, meist offenen Kelch etwas faltig, zum Stiel hin stark verjüngt; die lange Stielgrube fehlt, der lange (40–50 mm), leicht gebogene Stiel sitzt teils auf einem Wulst. Die glatte, dünne, trockene Schale ist grün bis weißlichgrün, die Deckfarbe fehlt oft oder zeigt sich sonnenseits nur als orangerötlich-goldiger Hauch; Berostung ist i. d. R. kaum vorhanden. Das grünlich-beigeweiße Fleisch ist fest, mittelfein, mäßig saftig und ohne besonderes Aroma; die Frucht wird auch nach längerer Lagerung nicht weich. Die alte westfälische Lokalsorte war einst in fast der gesamten Westfälischen Bucht verbreitet – vom Münsterland bis zur Soester Börde, vom Dortmunder Hellweg bis zum Teutoburger Wald bei Bielefeld – und ist südwestfälisch als mundartliches „Küottelbiär“ belegt. Schriftliche Zeugnisse zur Herkunft fehlen vollständig; die Sorte hat sich allein durch mündliche Überlieferung erhalten, die Bäume wurden über Generationen meist vor Ort von Nachbar zu Nachbar abveredelt. 2018 kürte der NABU Münster sie zur „Birne des Jahres im Münsterland“; im Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt wird sie als Akzession B-2128 erhalten.

Quellen: Winterköttelbirne · Winterköttelbirne – NABU Münster (Stadtverband) · Winterköttelbirne – Hüggel Distillery

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (anthropic/claude-opus-5 + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-08-24). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

In der Literatur

Neben der Westfälischen Glockenbirne (Speckbirne) kam keine andere Wirtschaftsbirne  in den Streuobstwiesen Westfalens so häufig vor wie die Winterköttelbirne. Fast in der gesamten Westfälischen Bucht war diese bis tief in den Winter hinein lagerbare Birne verbreitet. Erstaunlicher Weise ließen sich bislang keinerlei schriftlich überlieferten Beschreibungen zu dieser Sorte finden, weder in lokalen Archiven noch in historischer Obstsortenliteratur. Diese Sorte hat sich allein durch mündliche Überlieferung erhalten, die Bäume wurden  über viele Generationen meist vor Ort von Nachbar zu Nachbar abveredelt. 

Die Bäume der Winterköttelbirne sind sehr starkwüchsig und bilden sehr große Kronen. Die Sorte ist resistent gegen Schorf und wenig anfällig gegenüber anderen Birnen-Krankheiten. Aufgrund ihrer Robustheit ist die Winterköttelbirne breit anbaufähig und sollte im Streuobstbau unbedingt erhalten werden. Die Früchte dieser Wirtschaftssorte sind äußerst klein, grün und teils berostet. Die im Oktober/November zu erntenden Birnen sind hart und roh wenig schmackhaft. Erst gekocht werden sie zum unvergleichlichen Genuss. Besonders häufig sind die Bäume  der Winterkötelbirne heute noch im Raum Hamm/Westfalen  zu finden. Im Münsterland kommen nur vereinzelt sehr alte Bäume dieser kleinen Birne vor  –  dort kennt man mitunter auch noch die Tradition, die Winterköttelbirne im Winter als ganze Frucht zu Grünkohl oder Wirsing zu essen – Rezepte finden Sie auf der Seite NABU-muenster.de.  Mit dem allmählichen Rückgang der lokalen, bäuerlicher Küche droht auch die Winterköttelbirne aus den Obstwiesen der Bauernhöfe zu verschwinden. Kreative Ideen zur  Verarbeitung der Früchte könnte zukünftig dazu beitragen diese Sorte zu erhalten. In der gehobenen Gastronomie ist „Grünkohl mit Winterköttelbirne“ als traditionelles regionales Gericht bereits angekommen. Es besteht also Hoffnung! (NABU Münster)

Weblinks

Dokumentierte Bäume (treedoc) 0

Noch kein dokumentierter Baum dieser Sorte.