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Boikenapfel

Apfel · Malus domestica

Der Boikenapfel ist eine alte Apfelsorte, die seit 1828 nachgewiesen ist und aus der Umgebung Bremens stammt. Er gilt generell als Experte für Höhenlagen und eignet sich auch für Extremlagen. Geerntet wird er von Mitte bis Ende Oktober; nach der Lagerung ist er ab Anfang Januar genussreif und hält sich bis Anfang Juni, was ihn zu den sehr lange lagerfähigen Sorten zählt.

Herkunft
Raum Bremen (Norddeutschland)
Seit
1828
Wüchsigkeit
mittel
Wuchsform
hoch, flach gewölbt
Ernte
Mitte Oktober – Ende Oktober (10C-10E)
Blüte
mittelspät
Genussreife
Anfang Januar – Ende Mai (01A-05E)
Wikidata
Q891016
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte Genussreife

Tafelobst Wirtschaftsobst Dörrobst

#extremlagen

Synonyme: Boiken, Echter Boiken

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Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Der Boikenapfel wächst in der Jugend kräftig bis mittelstark, im Alter nachlassend, und bildet an Hochstämmen hochgewölbte bis breitkugelige, ausladende und lockere Kronen mit meist überhängenden Zweigen; Aufbau- und Auslichtungsschnitte werden empfohlen, teils mehrere Jahre Rückschnitt der Kronentriebe. Die Blüte erscheint mittelspät bis spät (eine Quelle gibt „mittelfrüh bis spät“ an), ist lang anhaltend und witterungsunempfindlich; die Sorte ist diploid und gilt als guter Pollenspender. Der Ertrag setzt mittelspät ein, bleibt mittelhoch und neigt zur Alternanz (etwa jedes zweite Jahr voll tragend) – gerade deshalb erschöpfe sich der Baum nicht und könne sehr alt werden. Die Gesundheit ist standortabhängig: Auf kühlen, zusagenden Standorten, insbesondere in norddeutschen und west-/süddeutschen Höhenlagen, gilt die Sorte als weitgehend widerstandsfähig gegen Schorf, Mehltau und Obstbaumkrebs; in warmen, trocknungsgefährdeten Lagen treten diese Mängel dagegen zunehmend auf, und H.-J. Bannier stuft sie als deutlich schorfanfällig ein und empfiehlt sie nur für gut durchlüftete Lagen. Zudem werden Anfälligkeit für Blutlaus sowie Empfindlichkeit gegen Kupferspritzmittel genannt; die Früchte sind gering anfällig für Stippe und Schalenbräune. Das Holz ist beachtlich frostfest (vereinzelt Teilschäden), die Früchte gelten als sturmfest, und durch die späte Blüte ist die Blüte ziemlich spätfrostunempfindlich. An den Boden stellt die Sorte keine großen Ansprüche, verträgt aber keine Trockenheit: Sie bevorzugt feuchte, nährstoffreiche Böden und gedeiht wie der Boskoop auch auf tonigen, wechselfeuchten schweren Böden; warme Gebiete mit Trockenperioden mindern Wuchs und Fruchtqualität. Empfohlen wird sie für Höhenlagen bis an die Grenze apfelanbaufähiger Standorte, für offene Lagen und extensiven Anbau, für alle Stammlängen mit Stammbildner (in Höhenlagen auch als Hoch- und Halbstamm); historisch wurde sie ausdrücklich zur Bepflanzung von Straßen und Wegen empfohlen, und das Projekt „1000 Obstbäume“ nennt sie einen idealen Baum für Streuobstflächen – nach Bannier für die Streuobstwiese allerdings nur eingeschränkt geeignet.

Die Frucht schmeckt frisch säuerlich, wenig süß und ohne ausgeprägtes Aroma, dabei ausgeglichen; historisch wird sie als angenehm gewürzhaft und weinsäuerlich beschrieben (Banniers Geschmacksnote 3− auf einer Skala von 1=sehr gut). Das schneeweiße, feste, feinzellige und saftreiche Fruchtfleisch bleibt beim Backen fest und bräunt wenig – der Boiken gilt daher als optimaler Kuchenapfel und war früher beliebt zur Konservenherstellung; daneben eignet er sich vorzüglich für Mus, Saft und Dörrobst („ideale Dörrfrucht“) sowie zum Keltern als Wirtschaftsapfel und im Spätwinter als säuerlicher Tafelapfel. Geerntet wird Mitte bis Ende Oktober; die Früchte sind ab Januar/Februar bis Mai, teils bis Juni oder sogar in den Sommer hinein genussreif, lagern rund sechs Monate und zeichnen sich durch sehr gute natürliche Haltbarkeit aus – eine klassische Wirtschafts-Dauersorte.

Pomologisch ist der Boikenapfel ein mittelgroßer bis großer (etwa 85 mm breiter, 70 mm hoher), flach gebauter, breit kegel- bis kelchförmiger Apfel, der besonders zum Kelch hin deutlich kantig ist. Der Kelch ist geschlossen bis halboffen und sitzt in einer mitteltiefen Kelchgrube mit breiten Rippen; der mittellange, dünne, holzige Stiel ragt leicht aus der tiefen, weiten, strahlig berosteten Stielgrube heraus. Die glatte, geschmeidige, leicht fettige Schale zeigt eine gelblichgrüne bis lagerreif hellgelbe Grundfarbe, die Deckfarbe ist nur schwach rot verwaschen bzw. gehaucht und bedeckt selten mehr als ein Drittel der Frucht; zahlreiche weiße bis braune Punkte sowie helle Rostflecken um Kelch und Stiel sind typisch, das Kernhaus ist hohlachsig. Die Sorte entstand vermutlich als Zufallssämling im Raum Bremen und soll nach einem dortigen Deichvoigt Boike benannt sein; 1828 wurde sie erstmals beschrieben (nach der Bitz-Sortenliste durch Magister Schröder aus Hamburg). Oberdieck machte 1860 in Berlin auf sie aufmerksam, 1874 nahm sie der deutsche Pomologenverein in Trier unter die 50 zu empfehlenden Sorten auf; verbreitet war sie früher in Norddeutschland und Dänemark, besonders küstennah. Der Boikenapfel gehört zu den Gulderlingen und ist nicht mit dem Riesenboiken und dem Neuhäuser Boiken verwandt, die eigenständige Sorten sind. In Luxemburg empfahl ihn der Landesobstbauverein 1895–1950 vor allem für raue Lagen; heute kommt die Sorte dort wie insgesamt eher selten vor. Die Beschreibung beruht vor allem auf dem Sortenporträt nach H.-J. Bannier (Bergischer Streuobstwiesenverein), der literaturgestützten Bitz-Streuobst-Sortenliste, der historischen Beschreibung aus dem Illustrirten Handbuch der Obstkunde (WUR Library) sowie Angaben von bongert.lu, 1000obstbaeume.de, Wikipedia und der Deutschen Genbank Obst.

Quellen: Boikenapfel – Bergischer Streuobstwiesenverein e.V. (Sortenporträt nach H.J. Bannier) · Boikenapfel – Bitz-Streuobst-Sortenliste · Boiken-Apfel – WUR Library, Fruitteelt (Speccol) · Boikenapfel – Wikipedia · Boikenapfel – ObstsortenWiki (bongert.lu) · Boikenapfel – 1000 Obstbäume für die Frankenalb · Boikenapfel – Deutsche Genbank Obst, Sortensuche · Boikenapfel – BUND-Lemgo Obstsortendatenbank (vcard)

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (stealth/ox-alpha + stealth/ox-alpha, 2026-08-23). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

Siehe auch Riesenboiken.

Gilt generell als Experte für Höhenlagen und #extremlagen . Das hat wohl auch mit den vielen und ehr Kleinen Stomata auf den Blättern zu tun. Er bevorzugt gut durchlüftete Lagen.

Weblinks

Dokumentierte Bäume (treedoc) 1

BaumBongertPositionPflanzjahr
484Streuobstplantage RommelshardF052025

Weitere OSM-Bäume 1

OSM-KnotenCultivar-TagKoordinaten
3313235085Boikenapfel%!f(*float64=0xc0008345c0), %!f(*float64=0xc0008345c8)

Bilder aus Wikipedia

File:Boikovo (2).jpg
Dezidor · CC BY 3.0 · Commons
File:Annual report of the Fruit Growers' Association of Ontario, 1899 (1900) (19338193686).jpg
Internet Archive Book Images · No restrictions · Commons
File:Apfel 021 Boiken (fcm).jpg
Photograph: Frank C. Müller , Frankfurt am Main · CC BY-SA 4.0 · Commons
File:Apfel 022 Boiken (fcm).jpg
Photograph: Frank C. Müller , Frankfurt am Main · CC BY-SA 4.0 · Commons
File:Cross section of Boiken, National Fruit Collection (acc. 1927-021).jpg
National Fruit Collection, Brogdale . · OGL 2 · Commons
File:Boikenapfel.JPG
JörgHSK · CC BY-SA 4.0 · Commons
File:Continental Nursery Page 2 apple - Boiken, Arctic.tiff
Alois Lunzer · Public domain · Commons
File:Deutsche Pomologie - Aepfel - 005.jpg
Wilhelm Lauche · Public domain · Commons
File:Malus Boikenapfel 4525.jpg
Sven Teschke · CC BY-SA 3.0 de · Commons
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unbekannt · CC BY-SA 2.0 de · Commons
File:Odnož z odrůdy Boikovo (pláně).jpg
Dezidor · CC BY 3.0 · Commons
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Arnold, Mary Daisy, ca. 1873-1955 · Public domain · Commons
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Amanda Newton · Public domain · Commons
File:Pomological Watercolor POM00001522.jpg
Passmore, Deborah Griscom, 1840-1911 · Public domain · Commons
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Royal Charles Steadman · Public domain · Commons

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