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Schöner aus Wiedenbrück

Apfel · Malus domestica

Der Schöne aus Wiedenbrück ist ein stärkwüchsig wachsender Apfel mit einer großen, weit ausladenden Krone, der auch für Höhenlagen geeignet ist und dessen große, eher hoch gebaute Früchte windfest hängen. Die Früchte eignen sich sehr gut für Apfelmus, als Kuchenbelag und für Saft. Auf schweren, staunassen Böden kann allerdings etwas Obstbaumkrebs auftreten.

Herkunft
Wiedenbrück/Westfalen (Zufallssämling aus Kernsaat eines Gärtners des Rhedaer Schlosses)
Seit
1900
Wüchsigkeit
stark
Wuchsform
pyramidal bis hochkugelig
Gefährdung
in Baumschulen erhältlich
Ernte
Mitte September – Ende September (09C-09E)
Blüte
spät
Genussreife
Mitte September – Mitte Oktober (09C-10C)
Wikidata
Q1397868
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte Genussreife

Tafelobst Wirtschaftsobst Mostobst

Synonyme: Schöner von Wiedenbrück

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Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Der Baum des Schönen aus Wiedenbrück wächst stark und bildet mit schräg bis flach winkelnden Seitenästen eine große, mitteldicht verzweigte, pyramidale bis hochkugelige Krone. Trotz seiner Starkwüchsigkeit kommt er früh in den Ertrag – nach NABU-Angaben bereits im sechsten Jahr – und trägt dann reich und regelmäßig. Die Sorte blüht spät, etwa gemeinsam mit Roter Sternrenette, Rheinischem Winterrambur und Westfälischem Gülderling, und entgeht dadurch meist den Spätfrösten; als triploide Sorte ist sie selbst kein guter Befruchter. Sie gilt als sehr robust gegenüber Schorf und Mehltau und wenig anfällig für tierische Schädlinge; auf sehr schweren oder staunassen Böden kann jedoch Obstbaumkrebs auftreten, und von den schweren, nährstoffreichen Böden der Soester Börde wurden Stippe-Schäden berichtet. Der Baum bevorzugt einen humusreichen Standort, gedeiht aber auch auf schweren, lehmigen Böden; sein gutes Gedeihen in den Hang- und Höhenlagen des Sauerlandes belegt die Eignung für Höhenlagen, wo sich der Anbau zudem günstig auf die Haltbarkeit der Früchte auswirkt. Die Früchte hängen windfest. Unter Beachtung der richtigen Bodenverhältnisse ist die Sorte eine robuste, reichtragende Sorte für den Streuobstanbau, besonders für Höhenlagen empfohlen; 1926 wurde sie von der Landwirtschaftskammer der Provinz Westfalen für den Straßenobstbau mehrerer Kreise und des Landes Lippe empfohlen.

Pflückreife ist etwa Mitte September; die mittelfeste, leicht druckanfällige Frucht sollte vorsichtig gepflückt werden und ist ab dem Baum genussreif. Das lockerzellige bis grobzellige, mittelsaftige Fruchtfleisch schmeckt aromatisch süßsäuerlich, in einer Verkostung mit weinigem Aroma (Geschmacksnote 2–3 bei 1=sehr gut). Die Haltbarkeit ist begrenzt: Nach rund vier Wochen werden die Früchte mürbe und mehlig, in Höhenlagen halten sie länger. Ursprünglich wurde die Sorte als Tafelapfel für den Frischverzehr angeboten, in den ersten Wochen nach der Ernte auch als Tafelobst; daneben ist sie ein sehr guter Koch- und Wirtschaftsapfel und eignet sich gut für Apfelmus und als Kuchenbelag. Heute werden die kurz haltbaren Früchte von ihren Besitzern überwiegend als Mostäpfel verwertet: Mit ihrem ausgewogenen Zucker-Säure-Verhältnis und ihrem hochtrubigen Fruchtfleisch ergibt die Sorte einen qualitativ hochwertigen Saft.

Die Frucht ist mittelgroß bis groß, hochgebaut kastenförmig („rechteckig“) und stiel- wie kelchseitig breit abgeplattet. Die trockene, matte Schale zeigt eine grasig grüne bis grünlichgelbe, reif trüb grünlichgelbe bis olivgelbe Grundfarbe und eine trüb orangerote bis bräunlichrote, punktierte, marmorierte, fein gestreifte Deckfarbe; Färbung und Berostung der Fruchtseiten variieren je nach Standort, Boden und Witterung extrem – von grasgrün bis fast vollständig rot –, was die Bestimmung erschwert. Der Stiel ist mittellang bis kurz und knapp aus der flachen, oft berosteten Stielgrube ragend, der Kelch groß und meist halboffen. Als prägnantes Erkennungsmerkmal gelten die extrem schmalen, sichelförmigen, gerissenen Kernhauswände; das auffallend kleine Kernhaus enthält nach NABU-Angaben meist nur ein bis zwei Kerne. Wegen der starken Fruchtvariabilität sind Verwechslungen u. a. mit Doppelter Prinzenapfel, Lohrer Rambur, Goldparmäne, Hildesheimer Goldrenette und Finkenwerder Prinzenapfel möglich. Die Sorte entstand vor 1900 als Zufallssämling aus Kernsaat eines Gärtners des Rhedaer Schlosses, dessen Wert erst 1904 der Wiedenbrücker Gärtner Heinrich Dürbusch erkannte, der sie vermehrte und 1905 in den Handel brachte. 1913 wurde sie auf der Provinzial-Obstausstellung für Westfalen und Lippe aus 36 Sorten als beste Lokalsorte gekürt, 1918 im „Erfurter Führer“ gewürdigt; Korbinian Aigner hielt sie als Zeichnung Nr. 311 fest, 1925 führt sie Lenders in seiner Obstbau-Anleitung für die Provinz Westfalen. Auf den Obstwiesen Westfalens – Westfälische Bucht zwischen Dortmund und Bielefeld, östliches Westfalen und Lippe, Münsterland, Soester Börde bis in die Höhenlagen des Sauerlandes – gehört sie zu den häufigsten Sorten überhaupt, fand in der Obstsortenliteratur des 20. Jahrhunderts aber kaum Erwähnung. Heute ist die als stark gefährdet eingestufte Regionalsorte im Münsterland eher rar; häufiger stehen Altbäume in den Kreisen Warendorf und Gütersloh, Reiser sind über den Reisermuttergarten Bonn der ORG erhältlich, und 2015 war die Sorte „Apfel des Jahres“ im Münsterland. Die Beschreibung stützt sich vor allem auf das Sortenportrait von Hans-Joachim Bannier im Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt (Pomologen-Verein), ergänzt durch Banniers Kurzporträt beim Bergischen Streuobstwiesenverein und Angaben des NABU Münster.

Quellen: Schöner aus Wiedenbrück · Schöner aus Wiedenbrück - Bergischer Streuobstwiesenverein · Schöner aus Wiedenbrück - NABU Münster · Schöner aus Wiedenbrück – Wikipedia · Lenders, Theodor: Anleitung zum Obstbau, Ausgabe Provinz Westfalen (Paderborn 1925) – Obstsortenliste (BUND Lemgo) · Apfelbaum Schöner aus Wiedenbrück – Bioland Baumschule Pflanzlust (Shop)

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (anthropic/claude-opus-5 + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-08-24). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

In der Literatur

Der Schöne aus Wiedenbrück wurde bereits 1913 auf der Provinzial Ausstellung für Westfalen und Lippe als beste Lokalsorte von 36 Sorten mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Wahrscheinlich stammt diese Sorte von einem Gärtner des Rheda ´er Schlosses. Aus Liebhaberei soll er sich mit der Aussaat von Obstkernen beschäftigt haben. Den Wert seines Sämlings „Schöner von Wiedenbrück“ erkannte er jedoch nicht.

Diese Apfelneuheit bekam erst mehr Beachtung, als der Gärtnermeister Heinrich Dürbusch (1874-1946), Mitglied im Obst- und Gartenbauverein, in Wiedenbrück an der Rhedaer Straße einen Baum dieser Sorte entdeckte. Dieser „Mutterbaum“ wurde wahrscheinlich um 1880 gepflanzt. Der gute Geschmack und vor allem der hohe Ertrag, der zur damaligen Zeit sehr wichtig war, überzeugten ihn. Er veredelte diese Sorte und sorgte für seine Verbreitung. Bereits 1904 bepflanzte er für sich selbst 8 Morgen und ließ auf weiteren Flächen Hochstämme anbauen.1905 wurde der Schöne aus Wiedenbrück in den Handel gebracht und gewann schnell an großer Beliebtheit. Schon bald wurden Bäume dieser Sorte in Hausgärten, in Obstwiesen der Bauernhöfe und in großer Zahl an Straßen- und Wegrändern gepflanzt. Im Herbst ersteigerten Bürger die Früchte baumweise zum niedrigen Preis. In den 1930er Jahren wurde der Schöne aus Wiedenbrück im „Verzeichnis der für den Erwerbsobstbau in der Landesbauernschaft Westfalen empfohlenen Obstsorten“ aufgeführt. Die großen, eher hoch gebauten Früchte sind gelblich-grün und sonnenseits leicht verwaschen streifig orange-rötlich. Mitte bis Ende September kann der Apfel direkt vom Baum gegessen werden. Die Früchte hängen windfest. Im Naturlager sind sie nur wenige Wochen lagerfähig und werden dann schnell mehlig. Das Fruchtfleisch ist lockerzellig und süßsäuerlich aromatisch. Das auffallend kleine Kernhaus enthält meist nur 1 – 2 Kerne. Der Apfel schmeckt frisch aromatisch, eignet sich sehr gut für Apfelmus, als Kuchenbelag und für Saft. Der Baum ist stärkwüchsig und bildet eine große, weit ausladende Krone. Der Schöne aus Wiedenbrück ist auch für Höhenlagen geeignet. Auf schweren, staunassen Böden kann etwas Obstbaumkrebs auftreten. Blätter und Früchte sind selten von Schorf befallen. Der Ertrag setzt bereits im 6. Jahr ein, ist dann regelmäßig und hoch. Die Blüte beginnt spät und ist dadurch wenig frostgefährdet. Heute sind noch häufiger Altbäume diese Sorte auf Streuobstwiesen in den Kreisen Warendorf und Gütersloh zu finden. Im gesamten Münsterland ist der Schöne aus Wiedenbrück jedoch eher eine Rarität. Um diese über 130 Jahre alte Apfelsorte wieder bekannt zu machen, wurde der Schöne aus Wiedenbrück zum „Apfel des Jahres 2015 im Münsterland“ – ein gesunder, robuster und ertragreicher Baum für die Streuobstwiese. (Karin Rietmann)

Weblinks

Dokumentierte Bäume (treedoc) 1

BaumBongertPositionPflanzjahr
tuGO49OEiserwarr

Bilder aus Wikipedia

File:Schöner von Wiedenbrück einige Tage gelagert.jpg
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File:Schöner von Wiedenbrück.jpg
AtaraxiaArt · CC BY-SA 4.0 · Commons

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