obstdoc — Zwiebelborsdorfer

Zwiebelborsdorfer

Apfel · Malus domestica

Herkunft
Niederlande oder Deutschland (Herkunft im Dunkeln)
Wüchsigkeit
sehr stark
Wuchsform
flachkugelig, leicht hängend
Ernte
Mitte Oktober – Ende Oktober (10C-10E)
Genussreife
Anfang November – Ende Februar (11A-02E)
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte Genussreife

Tafelobst Wirtschaftsobst Mostobst Dörrobst

Synonyme: Flache Renette, Oignon de Borsdorf, Reinette Platte, Zipollenapfel, Zwiebelapfel

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Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Der Zwiebelborsdorfer wächst sehr stark und kann sehr alt werden; er bildet eine mittelgroße, flache Krone mit dünner Verzweigung, deren Äste im Alter fast waagerecht abstehen, sodass der Baum leicht hängend wirkt — in schwerem Boden sollen große Bäume entstehen. Die Sorte ist anspruchslos an Boden und Klima, gedeiht auch in höheren und rauen Lagen und wächst nach Oberdieck auch im sandigen Boden; in Sachsen wurde sie ausdrücklich für kalte Lagen und feuchte Böden empfohlen. Der Ertrag setzt spät ein — nach Franz Mühl hingegen mittelfrüh —, im Alter ist der Baum nach dem Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt ein regelmäßiger Träger, während Mühl und die Daten der LLA Triesdorf eine ausgeprägte Neigung zur Alternanz angeben. Wegen Langlebigkeit und Robustheit gilt die Sorte als sehr gut geeignet für den extensiven Streuobstanbau, sofern es nicht auf frühen Ertrag und großfrüchtige Äpfel ankommt. In der freien Landschaft ist sie sehr selten geworden und wird als vom Aussterben bedroht eingestuft; erhalten bleibt sie in Sammlungen des Erhalternetzwerks.

Das feste, gelbliche Fruchtfleisch ist wenig saftig; der Geschmack wird einerseits als angenehm süßsäuerlich und würzig (Erhalternetzwerk, nach Jan Bade), andererseits als vorwiegend weinsäuerlich mit variabler Süße, wenig Saft und wenig Würze beschrieben (nach Franz Mühl); in gutem Boden und warmem Klima sollen die Früchte edelaromatisch werden, ähnlich dem Edelborsdorfer (Angaben der LLA Triesdorf). Geerntet wird Mitte bis Ende Oktober, genussfähig sind die Früchte von November bis Februar bzw. nach LLA-Angabe bis ins Frühjahr; im kühlen Naturlager halten sie rund fünf bis sechs Monate, sind dabei jedoch druckempfindlich und wollen schonend behandelt werden. Die Sorte fand ihre Hauptverwendung als Wirtschafts- und Mostapfel, wurde daneben aber auch als Tafelapfel genutzt; 1886 empfahl der Deutsche Pomologenverein sie zum Dörren.

Die Frucht ist klein bis mittelgroß und stark abgeplattet kegelförmig bis flachrund mit fast rundem Querschnitt. Die meist mittelweite und mitteltiefe Stielgrube zeigt einen gelbbraunen, strahligen Rostklecks, der bis auf die Fruchtseiten laufen kann; die Stiellänge wird unterschiedlich angegeben — sehr kurz (Mühl), bis 1,5 cm und über die Grube hinausragend (Bade) bzw. teils lang (LLA Triesdorf). Die weite, flache Kelchgrube ist meist von schuppigem Rost umgeben und trägt einen großen halboffenen Kelch, der fast über den Grubenrand hinausreicht. Die sich rau anfühlende, matt glänzende Schale färbt sich hellgelb; die rosarote, flammenlose Deckfarbe kann etwa die Hälfte der Frucht überziehen, und die teils netz-, strich- oder fleckförmige Berostung ist auffällig. Das fast geschlossene Kernhaus sitzt in der Fruchtmitte; die wenigen Kerne sind diploid. Wegen der markanten Form ist die Sorte kaum mit anderen zu verwechseln. Die Entstehung liegt im Dunkeln; als Herkunft werden die Niederlande oder Deutschland vermutet — bereits im 17. Jahrhundert soll die Sorte in der Leipziger Gegend bekannt gewesen sein. Die erste sichere Beschreibung stammt von Hirschfeld (1778 nach Wikipedia und LLA Triesdorf; 1788 nach dem Erhalternetzwerk, das auf dessen „Handbuch der Fruchtbaumzucht“ verweist, wo er unter den Holsteiner Sorten geführt wird); ob der von Knoop 1771 beschriebene „Kentjes Apfel“ identisch ist, bleibt offen. Um 1850 war der Zwiebelborsdorfer in allen Teilen Deutschlands verbreitet, was historische Listen u. a. aus Sachsen (1804, dort als „Flache Renette“), der Oberlausitz (1843), der Schweiz (1865) und Westfalens (1885) belegen; heute findet man ihn nur noch selten. Synonyme sind u. a. Zwiebelapfel, Zipollenapfel, Reinette Platte, Oignon de Borsdorf und Flache Renette. Nach Mikrosatelliten-DNA-Analysen wird die Sorte dem Borsdorfer-Sortenkomplex um Edelborsdorfer, Maschanzker und Borsdorfer zugerechnet. Die Beschreibung beruht vor allem auf dem Sortenporträt des Erhalternetzwerks Obstsortenvielfalt (Jan Bade, 2025), dem Wikipedia-Artikel nach Franz Mühl und dem Steckbrief der LLA Triesdorf.

Quellen: Zwiebelborsdorfer · Zwiebelborsdorfer – Wikipedia · Regionale Apfelsorten – Obstarche (Eintrag 48 Zwiebelborsdorfer) · Borsdorfer Apfel – Wikipedia · Verzeichnis der auf den Alleepflanzungen der Bautzen-Löbauer etc. vorkommenden Apfel- und Birnensorten (Für Freunde des Obstbaues, Dresden 1843) · W. Baer u. a.: Apfelsorten empfohlen zum Anbau in Estland und Nordlivland (Reval 1906) · Zwiebelapfel / Zwiebelborsdorfer

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (anthropic/claude-opus-5 + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-08-24). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

Eigenständige Sorte, nicht mit dem Edelborsdorfer zu verwechseln.

Weblinks

Dokumentierte Bäume (treedoc) 0

Noch kein dokumentierter Baum dieser Sorte.