obstdoc — Wildling von Einsidel

Wildling von Einsidel

Birne · Pyrus communis

Die Wildling von Einsidel ist eine alte Birne aus Pfrondorf bei Tübingen, die seit etwa 1700 bekannt ist. Sie wächst großkronig und gilt als anspruchslos an Boden und Klima, eignet sich daher auch für raue Extremlagen und wird zudem als Unterlage und Stammbildner verwendet. Geerntet wird von Anfang bis Mitte Oktober, nach kurzer Lagerung ist die Frucht bis Ende November genussreif; ihr Geschmack ist süß, zugleich aber sehr herb und gerbstoffbetont, was einen kräftigen Most ergibt und sie zum Backen tauglich macht. Wegen der sehr geringen Fruchtgröße, die eine aufwändige Ernte bedingt, wird sie heute nur noch für Liebhaber und Spezialverwertung empfohlen; gegenüber Feuerbrand gilt sie als mittelstark anfällig.

Herkunft
Pfrondorf bei Tübingen
Seit
1700
Wüchsigkeit
stark
Wuchsform
breitpyramidal
Ernte
Anfang Oktober – Mitte Oktober (10A-10C)
Blüte
weiß, einfach
Genussreife
Anfang Oktober – Ende November (10A-11E)
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte Genussreife

Mostobst Brennobst

#stammbildner#unterlage

Synonyme: Einsidel, Extra Mostbirne, Wildling von Einsiedel

Web-Suche: Wikipedia · Ecosia · DuckDuckGo · Mojeek

Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Der Wildling von Einsiedel ist starkwüchsig und bildet große Kronen mit zahlreichen gleichrangigen Gerüstästen; weil die Seitenäste dicht mit sehr kurzem Fruchtholz besetzt sind, entsteht ein lichter Kronenaufbau (Hartmann 2019). Nach naturadb ist die Kronenform breitpyramidal, das Gehölz ein Tiefwurzler und mit etwa −34 °C (Klimazone 4) sehr winterhart. Die Sorte gilt als insgesamt anspruchslos an Boden und Standort und soll auch in rauen Lagen noch gute Erträge bringen; naturadb nennt einen sonnigen bis halbschattigen Platz mit frischem, normalem bis nährstoffreichem Boden. Im Illustrierten Handbuch der Obstkunde wird hervorgehoben, dass die Sorte in ihrer württembergischen Heimat „große, starke, äußerst fruchtbare Bäume“ macht, zugleich wird jedoch vor ihrer Pflanzung in den raueren Lagen des mittleren und nördlichen Deutschlands gewarnt, weil dort die kleinen Früchte wirtschaftlich zu wenig abwerfen – dieser Vorbehalt widerspricht der späteren Einschätzung, dass die Sorte auch in rauen Lagen gut trägt, und ist standortabhängig zu lesen. Zur Gesundheit liegt nur die Angabe vor, dass die Sorte nach naturadb mittelstark feuerbrandanfällig ist. Die Blüte ist weiß und einfach. Die Sorte eignet sich für extensive Streuobstpflanzungen, wird im Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt als „gefährdet“ eingestuft und aus historischen wie genetischen Gründen zum Erhalt empfohlen.

Die Frucht ist eine klassische kleinfrüchtige Mostbirne: Das Fruchtfleisch ist fest, grobzellig, sehr saftig und süß bei hohem Gerbstoffgehalt, weshalb es als sehr herb beschrieben wird. Löschnig (1913) zufolge ergibt sie einen sehr guten Most, der sich dank des hohen Gerbstoffgehalts gut klärt; die Sorte sei weiterhin interessant für die Herstellung guter Obstweine. In voller Reife können die Früchte auch gedört werden; naturadb nennt zusätzlich Saft und Likör als Verwendungen. Geerntet wird von Anfang bis Mitte Oktober, die Genussreife erstreckt sich laut Deutscher Genbank Obst über Oktober und November. Die trockene Schale macht die Frucht druckfest und gut transportfähig.

Pomologisch: kleine Früchte von 25–40 g, etwa so breit wie hoch, ei- bis kreiselförmig und ziemlich regelmäßig, zum Stiel hin verjüngt. Grundfarbe grün- bis hellgelb; eine Deckfarbe fehlt meist, selten nur ein schwacher braunrot- bis orangeroter Anflug auf der Sonnenseite, sodass die Sorte zu den grundfarbigen Mostbirnen zählt. Die Fruchtseiten sind stellenweise fleckig berostet, die Schalenpunkte treten als deutlich verkorkte Punkte und Sternchen hervor. Sehr markant ist die zimtfarbene bis braunrote Rostkappe um den offenen bis halboffenen Kelch, die sich faserig zu den Fruchtseiten auflöst; eine Kelchgrube fehlt meist oder ist sehr flach. Der mitteldicke, gerade Stiel ist mit 5–15 mm sehr kurz und kaum berostet. Das gelblichweiße Fruchtfleisch umschließt ein kleines, mittiges Kernhaus mit zahlreichen kleinen, rundlichen, kastanienbraunen Kernen. Herkunft und Geschichte: Um 1700 entstand die Sorte als Zufallssämling auf einer Wiese bei Pfrondorf bei Tübingen („an der Steige nach Pfrondorf“, wie der Pomologen-Verein Baden-Württemberg berichtet, „wo die Bauern ihre Pflüge abgestellt haben“); der Mutterbaum wurde von den Pfrondorfern „Ziehbaum“ genannt. Zwischen 1820 und 1830 vermehrte ihn der Hofgärtner Ammermüller in der Baumschule der nahe gelegenen Staatsdomäne Einsiedel stark und brachte ihn als „Wildling von Einsiedel“ in den Handel; erster schriftlicher Nachweis ist 1823 bei Walker, zuvor hieß die Sorte „Extra-Mostbirne“. Über die Hohenheimer Baumschule wurde sie in ganz Württemberg verbreitet und ist die einzige Tübinger Lokalsorte mit überregionaler Verbreitung; bereits das Preisverzeichnis der Obstbaumschule Weihenstephan von 1867 führt sie unter beiden Schreibweisen „Wildling aus Einsiedel, Wildling von Einsiedel“. Heute gilt sie in Süddeutschland als häufig und findet sich auch in Österreich und der Schweiz sowie vereinzelt in der Region Trier/Luxemburg, u. a. mit etwa zehn Bäumen in der Mostbirnenallee von Elvange. Wichtige Literatur: Lucas/Oberdieck, Illustrirtes Handbuch der Obstkunde Nr. 219; Lucas, Abbildungen württembergischer Obstsorten Nr. 143; Hartmann, Farbatlas Alte Obstsorten (6. Aufl. 2019); Löschnig, Die Mostbirnen (1913). Die Beschreibung beruht vor allem auf dem Sortenporträt von Richard Dahlem im Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt (nach Hartmann 2019 und Löschnig 1913) sowie auf dem Passporteintrag der Deutschen Genbank Obst.

Quellen: Wildling aus Einsiedel · Passport / Sorte Wildling von Einsiedel (Deutsche Genbank Obst) · Streuobst in Tübingen und Umgebung (Pomologen-Verein LV Baden-Württemberg) · Lucas/Oberdieck: Illustrirtes Handbuch der Obstkunde, Nr. 219 Wildling von Einsiedel (PDF) · Birne 'Wildling von Einsiedel' / Pyrus communis 'Wildling von Einsiedel' (NaturaDB) · Birnensorte Wildling von Einsiedel – NABU Templin

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (stealth/ox-alpha + stealth/ox-alpha, 2026-08-23). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

#stammbildner

Baum: großkronig, anspruchslos an Boden und Klima; auch für rauhe Lagen geeignet.

War wohl früher die Standard #unterlage

Weblinks

Dokumentierte Bäume (treedoc) 1

BaumBongertPositionPflanzjahr
457Streuobstplantage RommelshardI082025

Weitere OSM-Bäume 1

OSM-KnotenCultivar-TagKoordinaten
12561156204Wildling von Einsiedel%!f(*float64=0xc000b12a20), %!f(*float64=0xc000b12a28)