obstdoc — Hufenbirne

Hufenbirne

Birne · Pyrus communis

Herkunft
Rheinland (Raum Bonn), Deutschland
Wüchsigkeit
sehr stark
Wuchsform
groß, landschaftsprägend
Gefährdung
vom Aussterben bedroht
Ernte
Anfang September (09A)
Blüte
mittelspät
Genussreife
Anfang September – Ende September (09A-09E)
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte Genussreife

Wirtschaftsobst Krautobst

Web-Suche: Wikipedia · Ecosia · DuckDuckGo · Mojeek

Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Die Hufenbirne ist eine sehr stark wachsende Birne, die zu riesigen, landschaftsprägenden Bäumen heranwächst; sie wird als Landschaftsbaum für große Streuobstwiesen geführt und gilt als robuste Wirtschaftssorte für die Streuobstwiese. Die Bäume werden sehr alt – die bekannten Altbestände sind vermutlich über hundertjährige Baumveteranen mit Stammumfängen von über drei Metern. Die Stämme zeigen einen sortentypischen Drehwuchs, sind längs in "Versorgungsbahnen" unterteilt, die durch Furchen voneinander getrennt sind, tragen eine auffallend längsrissige, nicht gefelderte Rinde und zeigen am Stammfuß häufig noch die einstige Veredlungsstelle als auffallenden "Kragen"; das gedrehte, stark segmentierte Holz gilt als Rarität für Tischler. Die Sorte ist robust gegenüber Birnenschorf und Rindenbrand und stellt nur geringe Ansprüche an Boden und Klima: Sie ist breit anbaufähig, hat keine besonderen Wärmeansprüche, und der Anbau ist bis in Mittelgebirgslagen (350 m) empfohlen. Sie ist ein Massenträger; nach der Rheinischen Monatsschrift konnten einzelne Bäume in manchen Jahren 15 bis 20 Zentner Ertrag abwerfen. Die Blüte erscheint im Vergleich zu anderen Birnensorten mittelspät bis spät, die Blütenkelche sind auffallend klein. Als diploide Sorte ist die Hufenbirne ein guter Befruchter für andere spätblühende Birnensorten. Sie ist in der offiziellen NRW-Vorschlagsliste alter Streuobstsorten enthalten.

Als Tafelbirne ist die Frucht wenig geeignet: Das beigeweiße Fruchtfleisch ist fest, mäßig saftig, etwas grob und mild süßsäuerlich, während die harte, griesige Schale beim Verzehr stört. Die Früchte wurden einst fast ausschließlich zur Herstellung von Birnenkraut verwendet – die Hufenbirne gehört zu den Krautbirnen des Rheinlands; allein in Wachtberg-Niederbachem kauften einst fünf Krautfabriken den Baumeigentümern die Früchte ab oder verarbeiteten sie in Lohnverarbeitung zu Birnenkraut. Die Ernte beginnt ab Anfang September; da die Früchte bei Vollreife vom Baum fallen und nicht erst am Baum mehlig werden, lassen sie sich gut vom Boden auflesen und sofort verarbeiten, auch gepflückte Früchte sollten bis Ende September verwertet sein. Im Naturlager hält die Frucht etwa zwei Wochen.

Die Frucht ist klein, typisch eiförmig, stiel- und kelchseitig gerundet, im Querschnitt ziemlich rund und hängt am Baum typisch zu mehreren in Büscheln. Die Grundfarbe ist olivgrün bis grasiggrün und reift zu trübgrünlichgelb; die Deckfarbe ist sonnenseitig leicht trüb dunkelrot, orangerot oder bräunlichrot gehaucht (auf einem Sechstel bis einem Drittel der Frucht). Die Schalenpunkte sind klein bis mittelgroß, dicht verteilt, grau bis graubräunlich berostet und relativ auffallend (ähnlich wie bei Köstliche von Charneu); teils treten feine netzartige oder fleckige Berostungen auf. Die Schale ist glatt bis feinrauh, trocken, matt, mitteldick; die baumreife Frucht ist sehr fest, einzelne Früchte können trotz hoher Festigkeit faulen. Der meist lange Stiel ((25–)35–45 mm) ist dünn bis mitteldick, oft leicht gebogen, hell- bis rötlichbraun und wirkt wie eingesteckt; die Stielgrube ist klein, eng und flach. Der Kelch ist teils groß, offen oder halboffen und graufilzig, die Kelchgrube flach bis mitteltief und eng bis mittelweit. Das mittelgroße Kernhaus hat eine geschlossene Achse; die gut entwickelten Kerne sind mittelbraun, breit und kurz. Als Verwechslerin wird die Wilde Eierbirne genannt. Über die genaue Entstehung der Sorte ist nichts mehr bekannt; die Hufenbirne war linksrheinisch in einem eng umgrenzten Gebiet in Wachtberg südlich von Bonn verbreitet und wird 1916 und 1918 in der Rheinischen Monatsschrift für Obst-, Garten- und Gemüsebau erwähnt, wo sie neben der Ölligsbirne und der Rheinbirne als Krautbirne genannt wird und ein Baum aus der Heydtschen Parkanlage Wacholderhöhe (Bad Godesberg) abgebildet ist. Mit dem Verschwinden der lokalen Krautfabriken und der Tradition des häuslichen Krauteinkochens ist die Sorte weitgehend aus den Streuobstwiesen verschwunden; riesige Altbäume stehen heute noch in den Wachtberger Gemeinden Niederbachem und Ließem. Die Beschreibung beruht auf dem LVR-Handbuch "Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland – neu entdeckt!" (Steckbrief mit Fotos von H.-J. Bannier) und dem Sortenporträt von Jan Bade beim Bergischen Streuobstwiesenverein.

Quellen: H.-J. Bannier u. a.: Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland – neu entdeckt! 2. Aufl., Köln 2017 · Hufenbirne – Bergischer Streuobstwiesenverein e.V. (BSOWV) · Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland – neu entdeckt! 2. Auflage, Köln 2017 (Gesamt-PDF) · Hufenbirne – LiKK e.V.

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (z-ai/glm-5.3-flash + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-10-02). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

Weblinks

Dokumentierte Bäume (treedoc) 1

BaumBongertPositionPflanzjahr
3hx2sSortenerhaltungskultur Bergheimer DreieckB202023