obstdoc — Plettenberger Herrenbirne

Plettenberger Herrenbirne

Birne · Pyrus communis

Herkunft
Märkischer Kreis, Nordrhein-Westfalen (Sauerland)
Seit
1886
Wüchsigkeit
mittel bis stark
Wuchsform
breitpyramidal, im Alter überhängend
Ernte
Anfang September – Mitte September (09A-09C)
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte

Wirtschaftsobst Dörrobst Krautobst Brennobst

Synonyme: Trusel

Web-Suche: Wikipedia · Ecosia · DuckDuckGo · Mojeek

Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Der Baum wächst mittelstark und bildet breitpyramidale Kronen, deren Fruchtäste im Alter überhängen. Er gilt als robust und kaum anfällig für Krankheiten; die Bäume können sehr alt werden – die noch vorhandenen Exemplare sind überwiegend 100 bis 150 Jahre alt – und tragen reichlich, oft über viele Jahrzehnte. Empfindlich zeigt sich die Sorte allein gegenüber Wind: Sie ist nicht windfest und lässt die kleinen Früchte leicht vom Baum fallen, was Ernte und Verwendung erschwert. Historisch stand die Sorte in großer Zahl auf den Höfen des Sauerlandes; heute gilt sie als vom Aussterben bedrohte Regionalsorte, deren Erhalt aktiv betrieben wird – Bäume sind derzeit beim Naturschutzzentrum Märkischer Kreis in Lüdenscheid erhältlich, künftig auch über eine Baumschule, Edelreiser vergibt das Erhalternetzwerk über Volker Knipp.

Die kleinen Früchte reifen Anfang September, nach Angabe von Volker Knipp Anfang bis Mitte September. Unreif schmeckt das Fleisch süß mit kräftiger Säure und etwas herb; beim Nachreifen verliert sich die Säure und der Geschmack wird milder. Wegen ihrer vielen herben Gerbstoffe eignet sich die Birne kaum für den rohen Verzehr. Traditionell wurde sie als Schmorbirne verwendet, außerdem zu Kompott und eingelegtem Obst, zum Dörren und zur Krautherstellung (Birnenkraut, einem eingedickten Sirup); gedörrt entfaltet sie ein intensives, leicht zimtiges Aroma. Ihr Saft schmeckt durch den Säureanteil angenehm, die Eignung für Wein- oder Weinbrandherstellung könnte laut Erhalternetzwerk noch untersucht werden. Bewährt hat sich die Verarbeitung zu Edelobstbrand: Ein Brand aus der Plettenberger Herrenbirne wurde beim Craft Spirits Award 2026 in Berlin mit Gold ausgezeichnet (93,67 Punkte) und als aromaintensiv mit klarer Birnennote beschrieben.

Die Frucht ist klein, birnen- bis kreiselförmig, stielseits leicht abgeplattet bisweilen zugespitzt. Die Grundfarbe ist hellgrünlich und hellt beim Reifen gelblich auf, die Deckfarbe bräunlichrot reicht bis zur Hälfte der Frucht; viele Früchte zeigen eine ganz dünne, netzartige bis flächige zimtfarbene Berostung, in die die Deckfarbe kaum erkennbar übergeht, sodass die Frucht etwas schmutzig wirkt. Der dünne, lange, etwas gebogene Stiel ist eingesteckt, meist mit kleinem Fleischwulst an der Basis; der offene Kelch sitzt in einer flachen, engen Grube, die Kelchblätter sind kurz und hornartig. Die Achse ist leicht offen, der Kelchbereich sehr hart, die engen Kernhauskammern sind nasenlos und enthalten viele Kerne. Verwechselt werden kann die Sorte mit anderen kleinfrüchtigen Wirtschaftsbirnen. Es handelt sich um eine Lokalsorte aus dem Märkischen Kreis in Nordrhein-Westfalen (Sauerland) mit dem Synonym „Trusel“. Unter dem Namen „Herrenbirne“ wird sie erstmals in einem Obstwerk des Lüdenscheider Lehrers J. D. Lüttringhaus erwähnt (Textangabe 1886, Literaturverzeichnis 1885). Dem heimatkundlichen Bericht Peter-Dietrich Frommanns von 1949 zufolge hieß sie ursprünglich „Herbebirne“, woraus der Name Herrenbirne wurde. Frommann verbreitete die Sorte Mitte des 20. Jahrhunderts stark in der Region, ein Teil der noch stehenden Altbäume geht wahrscheinlich auf ihn zurück. Zuvor war sie um Plettenberg weit verbreitet (Altena, Werdohl, Plettenberg, Sundern) und hatte im 19. Jahrhundert für die Höfe der Region große wirtschaftliche Bedeutung; fast jeder Hof rund um Plettenberg besaß einen solchen Baum. Im Leader-Projekt „Südwestfalens blühende Vielfalt erhalten“ wurde die Sorte wiedergefunden, 2025 nahm sie Slow Food in die „Arche des Geschmacks“ auf. Heute sind nur noch rund zehn Standorte mit geschätzt 12 bis 15 Altbäumen zwischen Werdohl und Plettenberg bekannt, die Mehrzahl als abgängig eingeschätzt. Literatur: Lüttringhaus, J. D.: Kurze Anleitung zur Zucht und Pflege des Obstbaumes für ländliche Obstzüchter, besonders im westfälischen Süderland (Lüdenscheid 1885), S. 33; Frommann, P. D.: Von der Hünenburg auf dem Sunder bei Ohle und ländliche Siedlungen in ihrer Umgebung (1949), S. 137. Die Beschreibung beruht auf dem Sortenportrait des Erhalternetzwerks Obstsortenvielfalt (Projekt des Pomologen-Vereins), dem Arche-Passagier-Porträt von Slow Food Deutschland (Volker Knipp) und Regionalberichten.

Quellen: Plettenberger Herrenbirne – Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt · Plettenberger Herrenbirne – Slow Food Deutschland, Arche des Geschmacks · Birnenreduktion mit Plettenberger Herrenbirne – Slow Food Sauerland · Plettenberger Herrenbirne: Dörrbirnen-Käse-Füllung – Slow Food Sauerland · Vom Aussterben bedroht: Besondere Aktion rettet die Herrenbirne (come-on.de) · Fast vergessene Birne: Edelbrand aus dem Sauerland gewinnt Gold (come-on.de) · Gold für die „Plettenberger Herrenbirne“ – LokalDirekt · Obstbrand aus dem Sauerland – WELT

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (anthropic/claude-opus-5 + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-08-24). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

Weblinks

Dokumentierte Bäume (treedoc) 1

BaumBongertPositionPflanzjahr
8qunuSortenerhaltungskultur Bergheimer DreieckC172023