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Adersleber Kalvill

Apfel · Malus domestica

Der Adersleber Kalvill ist eine Apfelsorte, die von Mitte Oktober bis Ende Oktober geerntet wird und nach einer Lagerung von Ende Oktober bis Ende Februar genussreif ist. Sie gilt als windfest und wird angesichts der Klimaerwärmung als Zukunftssorte angesehen, die inzwischen auch in nördlicheren Regionen Deutschlands gedeihen kann. Daneben findet sie als Unterlage Verwendung. Der Anbau stellt Ansprüche: Die Sorte gedeiht nur auf lockeren Böden an gut durchlüfteten Standorten und ist anfällig für Schorf sowie Obstbaumkrebs.

Herkunft
Klostergut Adersleben bei Oschersleben (Sachsen-Anhalt), Sämling des Weißen Winterkalvills
Wüchsigkeit
mittel
Wuchsform
breit-pyramidal bis flachkugelig
Ernte
Mitte Oktober – Ende Oktober (10C-10E)
Blüte
mittelfrüh
Genussreife
Mitte Oktober – Ende Februar (10C-02E)
Wikidata
Q356438
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte Genussreife

Tafelobst Wirtschaftsobst

#unterlage

Synonyme: Adersleber, Adersleber Calvill, Lichthardsapfel

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Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Der Adersleber Kalvill wächst mittelstark – in der Jugend kräftig, infolge der früh einsetzenden Fruchtbarkeit später nachlassend – und bildet mittelgroße, kugelige bis breit-pyramidale Kronen; die Leitäste verzweigen sich schräg aufrecht (etwa im 45°-Winkel) und hängen leicht. Der Baum lässt sich als Hochstamm leicht erziehen und eignet sich auch als Niederstamm und für Formobst; das bayerische Sortendatenblatt führt ihn als gute Liebhabersorte auch für den Streuobstanbau. Die Bäume werden großkronig und können sehr alt werden. Gesundheitlich ist die Sorte vor allem für Obstbaumkrebs anfällig; Mehltau tritt örtlich bzw. auf armen Böden auf. Für Schorf gilt sie als gering anfällig, wird aber bei zu feuchtem Standort, in ungeeigneten Lagen und in ungünstigen Jahren deutlich schorfanfälliger; insgesamt wird sie als recht robust und windfest beschrieben. Auf schwach wachsenden Unterlagen in günstiger Lage ist mit erhöhter Feuerbrandgefahr zu rechnen. Der Standortanspruch ist hoch: Der Boden soll locker, nahrhaft und ausreichend feucht, aber weder staunass noch zu schwer sein; auf trockenem, düngerarmem Boden werden die Früchte mehlig, das Laub fällt früh und es kommt zu Fruchtabwurf. Günstig sind gut durchlüftete, nicht zu warme, geschützte Lagen – die Anbaueignung ist insgesamt eingeschränkt und setzt geeignete Böden sowie klimatisch günstige Standorte voraus. Der Ertrag setzt früh ein und ist hoch; überwiegend wird seine Regelmäßigkeit hervorgehoben, das bayerische Datenblatt nennt zwar zwischen sehr hohen und geringeren Erträgen wechselnde Ernten, aber ohne ausgeprägte Alternanz. Bei starkem Fruchtansatz wird Ausdünnen empfohlen. Geschnitten werden sollte regelmäßig, damit sich die Früchte gleichmäßig ausbilden; da die Augen gern austreiben, dürfen Seitenäste bzw. Verlängerungen lang geschnitten werden, das Fruchtholz ist dünn und kurz. Die Blüte erscheint mittelfrüh und hält lange an; als gleichzeitig blühende Befruchtersorten werden u. a. Landsberger Renette und Schöner aus Boskoop genannt.

Das Fruchtfleisch ist süßsäuerlich bis süßweinig, feinaromatisch und fein gewürzt mit mildem Geschmack, saftig bis mäßig saftig; gegen Lagerende wird es mürbe, bei Trockenheit oder Düngermangel neigen die Früchte zur Mehligkeit. Der Adersleber Kalvill ist in erster Linie Tafelapfel und gilt als feiner Liebhaberapfel, taugt daneben aber auch als Wirtschafts- und Mostsorte sowie zum Kochen. Geerntet wird je nach Lage ab Mitte September, meist Mitte bis Ende Oktober; die Früchte sind druckempfindlich und sollten mehrmals und druckfrei gepflückt werden, nach historischer Angabe möglichst spät, weil sie sonst schrumpfen. Genussreif ab November halten sie bei guter Lagerung vier bis fünf Monate, etwa bis Februar/März (im Kühllager bis Ende März); ab Januar welken sie etwas, behalten ihr Aroma aber.

Die Frucht ist mittelgroß bis groß (Angaben um 140 g), kegelförmig bis flachrund und kalvillartig gerippt, zum Kelch hin deutlich kantig. Die Grundfarbe ist weißlichgrün, bei Reife weißlichgelb bis mattgelb; die verwaschen bräunlich-orange bis purpurrötliche Deckfarbe fehlt auf Schattenfrüchten und beschränkt sich sonst meist auf höchstens ein Drittel der Sonnenseite. Auffallend sind teils berostete Schalenpunkte; die tiefe, weite Stielgrube ist kaum bis strahlig berostet, der Stiel mittellang bis lang, die von fünf deutlichen Rippen umgebene Kelchgrube trägt einen meist halboffenen bis geschlossenen Kelch, häufig mit kreisförmig gestrichelter Berostung um den Kelch. Das Fleisch ist cremeweiß bis hellgelb und fest, die dunkelbraunen Kerne tragen eine helle Strichelung. Am ehesten ist die Sorte mit Boikenapfel und Gelber Sächsischer Renette zu verwechseln, ferner mit Landsberger Renette u. a. Zur Herkunft: Nach heutiger Kenntnis entstand die Sorte als Sämling des Weißen Winterkalvills auf dem Klostergut Adersleben bei Oschersleben (Sachsen-Anhalt), wahrscheinlich erst Ende der 1860er Jahre; die ältere Überlieferung, Amtsrat Meyer habe um 1839 mit seinem Gärtner (Lichthardt) den Weißen Winterkalvill mit dem Gravensteiner gekreuzt und damit die erste gezielte Apfelkreuzung Deutschlands gezogen, trifft nach Auswertung der Pomologischen Monatshefte von 1897 nicht zu, und eine neuere molekulargenetische Untersuchung sieht 'Alexander' statt 'Gravensteiner' als Vater an. Von drei Sämlingen (Nr. I 'Lichthardts Apfel', Nr. II 'Adersleber Kalvill', Nr. III 'Amtsrat Meyer') kam Nr. II ab etwa 1885 in den Handel und verbreitete sich über die Baumschulen Bertram (Stendal) und ab 1900 Späth (Berlin) rasch in ganz Deutschland. Heute kommt die Sorte im Streuobst überall in Deutschland vor, ist nirgendwo häufig anzutreffen und gilt als gefährdet (Rote Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen; Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt). Literatur u. a.: Pomologische Monatshefte 1893 und 1897, Deutschlands Obstsorten 1905, Hartmann (Hrsg.) Farbatlas Alte Obstsorten 2000, Müller/Seipp, Apfelsorten in Deutschland 2021. Die Beschreibung stützt sich vor allem auf die Sortenporträts von H.-J. Bannier (Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt sowie Bergischer Streuobstwiesenverein, dort mit R. Meyer), auf das bayerische Sortendatenblatt, ein historisches niederländisches Sortenblatt der Wageningen UR sowie historische deutsche Sortentafeln.

Quellen: Adersleber Kalvill · Apfelsorte Adersleber Kalvill - Bergischer Streuobstwiesenverein · Adersleber Kalvill: Streuobst in Bayern · Adersleber Calville (WUR Fruitteelt, Speccol) · Adersleber Kalvill - Wikipedia · Adersleber Kalvill - KGV Bezirk Oberfranken (kv-gartenbauvereine-bamberg.de) · Adersleber Kalvill - Obsttafel 'Nach der Arbeit' Nr. 130 (PDF) · Adersleber Calvill - 'Unsere besten Deutschen Obstsorten', Tafel Nr. 1 (PDF) · Apfelbaum Adersleber Kalvill · Adersleber Kalvill

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (stealth/ox-alpha + stealth/ox-alpha, 2026-08-23). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

#unterlage

In der Literatur

Wuchs: Kräftiges Wachstum im Jugendstadium, das aber infolge der frühen Fruchtbarkeit bald nachlässt._ Krone: Breit-pyramidal bis flachkugelig_ Aeste: Leitäste hängen leicht_ Schnitt: Der Baum sollte regelmäßig geschnitten werden, damit seine Früchte gleichmäßig ausgebildet werden. Die Augen treiben gerne aus, deshalb können die Seitenäste lang geschnitten werden_ Fruchtholz: dünn und kurz_ Windfest? Ja_ Ernte/Ertrag: Früh einsetzend, hoch und regelmäßig_ Besonderheit: Der Adersleber Kalvill gilt als die erste erfolgreiche Kreuzung zweier Kalvillsorten: dem Gravensteiner und dem Weißen Winterkalvill. So erinnert der mild beerenartige Geschmack auch an den Weißen Winterkalvill._ Aufgrund der Klimaerwärmung kann die Apfelsorte Adersleber Kalvill jetzt auch in den nördlicher gelegenen deutschen Mittelgebirgen angebaut werden._ (Rolf Meyer)

Der Adersleber Kalvill hat weißlich gelbe, aromatische Früchte, bis Februar/März lagerbar. Baum schwach bis mittelstark wachsend, anfällig für Obstbaumkrebs u. Schorf, nur auf lockeren Böden und an gut durchlüfteten Standorten. (H. P. Bannier)

Weblinks

Dokumentierte Bäume (treedoc) 1

BaumBongertPositionPflanzjahr
550Streuobstplantage RommelshardB042026

Bilder aus Wikipedia

File:Malus Adersleber Kalvill 4595.jpg
Sven Teschke · CC BY-SA 3.0 de · Commons
File:Cross section of Adersleber Calville, National Fruit Collection (acc. 1947-457).jpg
National Fruit Collection, Brogdale . · OGL 2 · Commons
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Trollfreie Zone · CC BY-SA 3.0 · Commons
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Photograph: Frank C. Müller , Frankfurt am Main · CC BY-SA 4.0 · Commons
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Photograph: Frank C. Müller , Frankfurt am Main · CC BY-SA 4.0 · Commons
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